Naturwissenschaftlicher Verein Regensburg e.V.

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Vereinsgeschichte

Der Verein wurde am 14. Januar 1846 gegründet. Hauptakteur war der in Regen im Bayerischen Wald geborene Arzt Dr. Franz Joseph Schuch (1808-1863). Seit 1820 in Regensburg wohnend, teilte er mit seinem Jugendfreund Heinrich Graf von der Mühle, der später seine gesamte Vogelsammlung dem Verein vermachte, die Begeisterung für Tierpräparate.

Als Schuch 1834 beim Bayerischen Freiwilligen Armeekorps in Griechenland als Regimentsarzt tätig war, betrieb er dort zusammen mit von der Mühle ausgiebige naturwissenschaftliche Studien.

Im Jahre 1837 nach Regensburg zurückgekehrt, wurde die reiche Ausbeute, besonders an Vögeln, gesichtet, präpariert und aufgestellt. Für seine umfangreichen Sammlungen hatte er jedoch keinen geeigneten Platz. Ein Angebot an die Stadt blieb ohne Erfolg. Schuch ließ sich aber nicht entmutigen.

Zusammen mit seinen Freunden Dr. Gottlieb August Wilhelm Herrich-Schäffer (1799-1874) und Dr. August Emanuel Fürnrohr (1804-1861) gewann er dreißig weitere naturwissenschaftlich begeisterte Männer der Botanischen Gesellschaft und des Historischen Vereins, der sich bis dahin auch mit naturhistorischen und mineralogischen Gegenständen befasste, für die Gründung eines eigenen Vereins.

"Nachdem angeknüpfte Verhandlungen über ein Ausstellungslokale mit dem Magistrate und der K. Regierung zu keinem günstigen Resultate führten, entschloss sich Schuch durch seine Sammlung die Grundlage zu einem naturhistorischen Vereine zu bilden. Da aber die schon seit 40 Jahren bestehende botanische Gesellschaft, gestützt auf ihre Statuten, ihren Besitz und ihre fixirten Einkünfte, welche eben n u r auf die botanische Gesellschaft lauteten, nicht in demselben aufgehen konnte, so mußte ein zoologisch-mineralogischer Verein gebildet werden."

Vereinsgründung

So beschreibt Herrich-Schäffer, Vorsitzender des Vereins von 1846 bis 1872, den Gründungsakt am 14.1.1846. Dank der treibenden Kraft von Schuch brachte es der Verein bereits im Gründungsjahr auf 198 Mitglieder.
Fast alle Mitglieder des neuen zoologisch-mineralogischen Vereins gehörten auch der Botanischen Gesellschaft in Regensburg an. Die enge Verzahnung beider Vereine zeigte sich auch darin, dass nach dem Tode Fürnrohrs im Jahre 1861 für circa 40 Jahre der Vorsitzende des zoologisch-mineralogischen Vereins auch Präsident der Botanischen Gesellschaft war.


Dr. Gottlieb August Wihelm Herrich-Schäffer
1799 - 1874
K. Medizinalrat und K. Stadtgerichtsarzt
1. Vorsitzender von 1846 bis 1871

Hauptziel des Vereins war die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Dies sollte durch öffentliche Vorträge und Exkursionen, durch die Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift (Correspondenzblatt) und durch den Aufbau einer Bibliothek sowie einer zoologisch-mineralogischen Sammlung erreicht werden.

1848 überließ der Historische Verein von Regensburg seine Mineralien- und Fossiliensammlung dem neuen Verein. Die ersten bedeutenden naturkundlichen Sammlungen in Regensburg von Emanuel Theophil Harrer (1714-1767) und Jacob Christian Schaeffer (1718-1790) gingen leider Anfang des 19. Jahrhunderts für Regensburg verloren. Nur ein kleiner Teil aus Harrers Nachlass, in Weingeist aufgewahrte Fische und Amphibien sowie Fossilien, wurden von Herrich-Schäffer erworben und bildeten zusammen mit seinen eigenen Insektenkästen die Grundlage für die Sammlungen des Vereins.

Bis 1857 wurden die Sammlungen im Stadt-gerichtsgebäude untergebracht, wo Schuch auch wohnte.

Unter anderem aufgrund stagnierender Mitgliederzahlen wurde in der Generalversammlung vom 11. Dezember 1882 beschlossen, "die Vereinsthätigkeit zu erweitern und namentlich auch die Botanik mit ihren zahlreichen Liebhabern hereinzuziehen, sodann die Vereinsthätigkeit mehr zu popularisiren und den Schwerpunkt derselben auf allgemeinverständliche Belehrung durch geeignete Vorträge, Ausflüge, Verwerthung der Sammlung, Bestimmung eingesandter und selbst gesammelter Naturalien usw. zu legen. Es wurde daher für gut befunden, den bisherigen Namen zoologisch-mineralogischer Verein in einen mehr allgemeinen, z.B. naturwissenschaftlicher Verein umzuändern und eine dementsprechende Ergänzung der Statuten vorzunehmen."

Die Vereinszeitschrift erschien bereits unter dem neuen Namen, wenn auch noch in Anführungszeichen: Correspondenzblatt des "naturwissenschaftlichen Vereines" (früher "zoologisch-mineralogischer Verein") in Regensburg.

In der am 26. Februar 1883 einberufenen Generalversammlung erfolgte die Proklamierung des Vereins als Naturwissenschaftlicher Verein in Regensburg.

Eine Änderung des Vereinsorganes wurde verschoben. Es sollte vorläufig noch in der bisherigen Form erscheinen. Bei der Herausgabe des 40. Jahrgangs des Correspondenzblattes wurde dann den Lesern mitgeteilt, dass mit Beschluss der Generalversammlung vom 13. Dezember 1886 dasselbe aufgehört hat zu bestehen und statt dessen etwa alle zwei Jahre Berichte des Vereins erscheinen sollten.

Zwischen 1887 und 1930 wurden insgesamt 19 Bände der Berichte des naturwissenschaftlichen Vereins zu Regensburg herausgegeben; daneben erschienen von 1848 bis 1918 in unregelmäßigen Abständen auch noch zwölf Abhandlungen des zoologisch-mineralogischen Vereins, die in der Art von Monographien besondere Themen behandelten. 1930 wurde eine Denkschrift zum 300. Todestag von Johannes Kepler publiziert. In der Zeit von 1931 bis 1950 gab es keine Veröffentlichungen des Vereins mehr. Es wurden aber jährlich etwa 18 bis 20 Vorträge abgehalten.

Zwischen 1857 und 1945 mussten die Sammlungen viermal umziehen. Von 1857 bis 1886 waren sie im Thon-Dittmer-Haus zu sehen; von 1886 bis 1893 im Privathaus Schwarz in der Gesandtenstraße; von 1893 bis 1912 im Gebäude der Philosophisch-Theologischen Hochschule am Ägidienplatz; von 1912 bis 1920 in der Schützenhalle im Stadtpark und von 1920 bis 1943 in der Kunsthalle, ebenfalls im Stadtpark. Da dieses Gebäude für den Reichsluftschutzbund freigemacht werden musste, wurden die Sammlungen in die Stadthalle im Stadtpark ausgelagert. Bei einem Fliegerangriff am 13. März 1945 wurden die dort aufbewahrten wertvollen, zum Teil unersetzbaren Bestände des Vereins durch drei Sprengbomben total zerstört. Das Kriegsende 1945 brachte schließlich auch das Vereinsleben zum Erliegen.

Nachkriegszeit

Dr. Adolf Scholz und Dr. Hugo Strunz haben 1947 zu neuer naturwissenschaftlicher Betätigung aufgerufen. Ziele des Vereins sollten weiterhin sein: "Unsere Heimat in zoologisch-geologischer Hinsicht zu durchforschen, eine Sammlung naturwissenschaftlicher Objekte anzulegen, eine periodisch erscheinende Druckschrift herauszugeben, die Errichtung einer naturwissenschaftlichen Bibliothek zu bewerkstelligen und durch Vorträge naturwissenschaftliche Kenntnis zu verbreiten."

1951 erschien das erste Heft der Vereinspublikation unter dem neuen Titel Acta Albertina (benannt nach Albertus Magnus), ab zweitem Heft unter Acta Albertina Ratisbonensia.

Sie war als Fortsetzung der Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins (Band 1 - 19) gedacht. Daher beginnt die Reihe Acta mit Band 20.

Derzeit unterhält der Verein mit 217 in- und ausländischen Vereinigungen und Gesellschaften einen Schriftenaustausch. Die Vereinsbibliothek weist inzwischen einen Bestand von ungefähr 35 000 Bänden auf.

Nach der vollständigen Zerstörung der naturkundlichen Sammlungsobjekte am Ende des Zweiten Weltkrieges trugen in den darauffolgenden Jahren Vereinsmitglieder und Gönner wieder eifrig Material zusammen, das seit dem 10. August 1950 in der ehemaligen Aussegnungshalle des aufgelassenen St. Lazarus-Friedhofes im Stadtpark gesammelt wurde.

Museum

Die neue Sammlung fand schließlich eine feste Bleibe im Herzogspalais, wo 1961 erstmals ein Museum - das Naturkundemuseum Ostbayern - eröffnet wurde. Die Einrichtung und der Betrieb erfolgten zunächst in Eigenregie durch den Naturwissenschaftlichen Verein.

1986 musste das Museumsinventar wegen einer dringend notwendigen Generalsanierung des Gebäudes in ein Anwesen am Stahlzwingerweg ausgelagert werden.

1989 wurde vertraglich vereinbart, dass der Museumsbetrieb fortan durch die Stadt Regensburg und den Verein gemeinsam erfolgt, während die Trägerschaft des Museum weiterhin alleine beim Verein bleibt.

Nach Beendigung der Sanierungsmaßnahmen 1991 begann die Neueinrichtung der Dauerausstellung nach dem Gesamtkonzept des neu berufenen Museumsleiters Dr. Hansjörg Wunderer. Im Jahr 1992 fand die erste Teileröffnung statt, mit den Ausstellungen "Naturraum Ostbayern" (Geologie, Mineralogie) und "Vergangene Lebensräume Ostbayern" (Paläontologie bis Menschheitsentwicklung). Im Dezember 1994 schloss sich eine zweite Teileröffnung im 2. OG an (Gliedertiere mit Schwerpunkt Insekten, Lebensraum Trockenrasen).

1996 schließlich fand die Gesamteröffnung statt, nachdem die Ausstellung mit den Themen "Lebenraum Wald und Fels, Feuchtgebiete und Wasser" im 1. OG fertiggestellt war, sowie ein "Historienraum" mit einem nachgestellten Naturalienkabinett und dem Kleinod einer historischen Holzbibliothek von 1795.

Eine ausführlichere Beschreibung finden Sie auf der Seite des Museums

Umweltzentrum

Ab 2001 hat der Naturwissenschaftliche Verein das Regensburger Umweltzentrum (RUZ) ins Leben gerufen. Ermöglicht wurde dies durch eine großzügige Förderung durch das Bayerische Umweltministerium und eine mehrjährige Finanzbeteiligung von Infineon Technologies. Die feierliche Eröffnung fand am 20.1.2001 statt.

Das RUZ basiert auf der bereits vorhandenen Infrastruktur des Naturkundemuseums und unterstützt in Synergie dessen Bildungsauftrag. Bislang konnten bereits mehrere innovative Projekte und Veranstaltungen der Umweltbildung entwickelt werden, die vom Umweltministerium gefördert wurden. Das RUZ ist Träger des Qualitätssiegels "Umweltbildung.Bayern".